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Gin & Genever (431)

Gin ist köstlich, Gin bietet Vielfalt, Gin sorgt für Vergnügen. Egal, ob man die klare Spirituose mit dem ausgeprägten Wacholdergeschmack genießt oder sich intensiver mit der alten Tradition des Gins auseinandersetzt; es gibt immer wieder faszinierende Geschichten, die bei einem entspannten Gin Tonic zum Vorschein kommen.

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Oder einen Martini. Oder einen Vesper. Gin ist ein klares, vielfältiges Kulturgut, das bereits seit Jahrtausenden in der Geschichte seinen Stempel hinterlassen hat. Mal positiv, mal weniger, doch stets bleibt es Gin.

Gin - Das Wunder des Wacholderbusches

Sowohl Gelehrte als auch Genussmenschen haben sich mit Gin auseinander gesetzt. Bereits vor mehreren Jahrtausenden wurde die Verbindung zwischen Alkohol und Wacholderbeeren aus medizinischer Sicht untersucht. Diese Mischung soll gut gegen Sodbrennen, Rheuma, Gicht und Verdauungsprobleme wirken. Die Patienten waren erfreut. Doch bald stellte man fest, dass es sich bei den vermeintlich kranken Menschen eher um Simulanten handelte. Gin wurde zu einem Genussmittel. Heute wie damals bietet Gin eine schier unermessliche Vielfalt an Arten und Zutaten, die jede einzelne Gin-Kreation einer Brennerei zu einem Unikat machen. Mit 3 Herstellungsarten, rund 12 Gin-Typen und 120 sogenannten Botanicals – rechnen Sie die Möglichkeiten oder kosten Sie den Reichtum des Gin-Genusses auf VINELLO.

Der Geschmack von Gin

Der Fokus beim Gin liegt auf der Wacholderbeere, einem Zypressengewächs, die dem Agraralkohol, hergestellt aus Getreide und selten aus Melasse, seine charakteristische Note verleiht. Ein Gin muss mindestens 37,5% Vol. Alkohol enthalten; eine ungeschriebene Regel besagt, dass mehr Alkohol einen ausgewogeneren Gin erzeugt. Im Anschluss erfolgt die individuelle Zusammenstellung von etwa 120 Zutaten, auch Botanicals genannt. Dazu gehören exotische pflanzliche Inhalte, edle Kräuter und intensive Gewürze wie Muskat, Enzian, Schwertlilie, Ingwer, Rosen, Zitronen- und Orangenschalen und vieles mehr. Je nach Destillationsverfahren nimmt der Alkohol die Aromen und Wirkstoffe der Zutaten auf und wird so zum Gin. Doch nicht jeder Gin ist gleich. Eine Klassifizierung bestimmt, welche Bezeichnung die Mixtur auf dem Etikett tragen darf. Dazu zählen:

  • Dry Gin
  • London Dry Gin
  • Sloe Gin
  • Plymouth Gin 
  • Original Genever
  • Distilled Gin
  • Gin de Mahón
  • New Western Dry Gin
  • Vilnius Gin
  • Old Tom Gin
  • Reserve Gin

Im Laufe der Jahrhunderte hat Gin einen englischen Touch angenommen, jedoch begann seine Geschichte anderswo.

Die große Geschichte des Gins

Bereits in der Antike experimentierten Alchemisten, Hexen und Mönche mit Alkohol und Wacholder aufgrund dessen medizinischer Eigenschaften. Den größten Aufschwung erlebte der Wacholderschnaps Genever im 17. Jahrhundert in den Niederlanden, der die Kranken erfreute. Seine Beliebtheit führte dazu, dass er fortan als Genussmittel am Ladentresen stand. Diese Spirituose war so populär, dass die niederländischen Soldaten sie stets bei sich hatten, wenn sie in die Schlacht zogen. Auch die englischen Rotröcke, die gegen die Spanier kämpften, fanden Gefallen an dem schmackhaften Genever. Mit ein paar Flaschen im Gepäck kehrten sie in ihre Heimat zurück und machten den Genever, von den Engländern umgangssprachlich auch „Juniperus“ oder einfach Gin genannt, bekannt.

Gin wurde schnell zum Geheimtipp auf den Britischen Inseln. Als Wilhelm III. von Oranien-Nassau den englischen Thron bestieg, hatte er ein Gespür dafür, wie er seine Untertanen für sich gewinnen konnte. Kurz gesagt: Er brachte Gin aus den Niederlanden mit, machte ihn steuerfrei und erhob hohe Steuern auf französische Erzeugnisse. Jeder durfte eine eigene Destillerie zu Hause gründen und nach 10 Tagen Gin verkaufen. So begann der Gin-Craze, die Gin-Krise, die verheerende Folgen für die ärmere Bevölkerung hatte.

Gin war günstig und unterlag keinen qualitativen Standards. Was tatsächlich im Gin enthalten war, wurde irrelevant. Es zählte nur, dass er einen hohen Alkoholgehalt hatte. Die Kriminalität stieg, ebenso die Kindersterblichkeit. Viele waren berauscht, während andere die negativen Auswirkungen erlebten. Die allgemeine Sterblichkeitsrate überstieg sogar die Geburtenrate, wobei Neugeborene oft mit einer Gin-Sucht das Licht der Welt erblickten. Der makabre Name „Mother’s Ruin“ wurde etabliert. Diese dunklen Zeiten wurden auch der Regierung bewusst. Der Gin Act von 1751 setzte dem Treiben ein Ende. Die Lizenzen zur Gin-Herstellung wurden extrem teuer, Qualitätsstandards und Preise wurden erheblich angehoben. Gin wurde zum Getränk der Oberschicht.

Durch die weltweite Verbreitung des britischen Imperiums fand auch Gin seinen Weg um die Welt. Die Rotröcke in Indien kämpften insbesondere gegen Mücken und Malaria. Um sich zu schützen, mussten sie Chinin, das im Tonic Water zu finden ist, konsumieren. Um den bitteren Geschmack erträglicher zu machen, mischten die Soldaten ihr Tonic Water mit Gin – mit durchschlagendem Erfolg, der bis heute anhält. Weniger wegen Malaria, aber wer weiß das schon genau.

In der Zeit der Prohibition entstand in den Vereinigten Staaten der Begriff Bathtub-Gin, der bis heute für minderwertigen Gin steht. Dieses Getränk ist relativ einfach herzustellen, und das einzige große geeignete Gefäß war meist die Badewanne. Qualität wurde weniger beachtet, dafür regierte der Alkoholgehalt. Am besten lieber keinen Bathtub-Gin bestellen – besser ein Mother’s Ruin.

Sorten von Gin

Die Klassifizierung der verschiedenen Gin-Sorten basiert auf Herkunft, Herstellungsverfahren und Zutatenliste. Jede Destillerie hat sich auf einen oder mehrere Stile spezialisiert. Eine kleine Übersicht über die beliebtesten Sorten soll helfen, sich in der Vielfalt zurechtzufinden.

Genever

Die originale, niederländische Variante. Auch als Jenever bekannt, abgeleitet vom niederländischen „jeneverbes“ für Wacholder, gilt allgemein als Vorläufer des Gins. Der Alkohol wird aus Gerste oder Roggen gewonnen und mit Botanicals wie Kümmel, Röstaromen und Koriander verfeinert. Ein milder Vertreter dieser Kategorie ist der Old Style Genever von De Borgen, der mit intensiven Noten von Getreide und Wacholder den Gaumen verwöhnt.

London Dry Gin

Es handelt sich hierbei nicht unbedingt um Gin aus London, sondern mehr um einen Stil. In diesem trockenen Gin werden keine künstlichen Aromen hinzugefügt, und der Zuckergehalt ist auf 0,1 g pro Liter begrenzt. Zu den bekannten Vertretern dieser Sorte gehören Bombay Sapphire, der Tanqueray Dry Gin aus der Destillerie C. Tanqueray & Co und der Elephant London Dry Gin.

Dry Gin

Diese Sorte zeichnet sich durch ein markantes Wacholderaroma aus und darf im Gegensatz zum London Dry Gin nicht mit pflanzlichen Stoffen angereichert werden. Es ist jedoch möglich, dem Gin durch Farbstoffe eine einzigartige Farbe zu verleihen. Ideal für Cocktails oder Ihre eigene Hausbar. Beispiele für Dry Gin sind der Gin Mare und der Friedrichs Dry Gin.

Sloe Gin

Sloe Gin hebt sich etwas ab. Er ist kein echter Gin, eher ein Likör mit geringerem Alkoholgehalt, wird jedoch trotzdem als Gin eingestuft. Die dunkelrote Farbe stammt von der Schlehe. Sloe Gin ist deutlich süßer und fruchtiger als Dry Gin. Der Elephant Sloe Gin ist besonders empfehlenswert.

Plymouth, Vilnius und Gin de Mahón

Diese Gins sind geprägt von ihrer geografischen Herkunft. Sie dürfen nur in ihren spezifischen Regionen produziert werden und weisen oft einzigartige Botanicals zusammenstellungen auf. Der Plymouth Gin, beispielsweise aus der Black Friars Distillery, wird ausschließlich in der englischen Hafenstadt hergestellt und sein Wacholderaroma ist deutlich weniger ausgeprägt.

Interessantes über Gin

Was ist Gin?

Gin ist eine klare Spirituose, die hauptsächlich von Wacholder und Koriander dominiert wird. Ursprünglich aus den Niederlanden stammend, hat sich Gin zu einem typischen englischen Getränk entwickelt. Oft wird er für die Zubereitung von Cocktails und Longdrinks verwendet.

Wie wird Gin hergestellt?

Es gibt drei gängige Methoden zur Herstellung von Gin.

Mazeration: Die Botanicals werden dem Alkohol zugefügt, bis sie ihren Geschmack abgeben. Anschließend wird die Mixtur gefiltert und verdünnt.

Digestion: Bei der Heißauszug-Methode werden die zerkleinerten Botanicals dem Alkohol hinzugefügt. Das Gemisch wird bei etwa 70°C erhitzt, sodass sich die Aromen vollständig entfalten können.

Perkolation: Dies ist die wohl edelste und aufwendigste Herstellungsweise. Der Alkohol wird gasförmig gemacht und durch einige Siebe, die mit den gewünschten Zutaten befüllt sind, in den nächsten Kessel geleitet. Schließlich wird das Gas wieder flüssig und der Gin ist fertig.

Was passt zu Gin?

Gin ist ein Hauptbestandteil vieler Cocktails. Der wohl bekannteste ist Gin Tonic. Die Möglichkeiten, Gin in Mixgetränken zu verwenden, sind schier unendlich. Einfach ausprobieren und genießen.

Wie soll man Gin lagern?

Gin sollte möglichst kühl, dunkel und stehend gelagert werden. Ein Keller bietet sich optimal für eine geschützte und stabile Lagerung an. Selbst offene Flaschen halten sich, sofern sie verschlossen sind, mehrere Monate oder sogar Jahre, abhängig von der verbleibenden Menge Gin in der Flasche. Denn je mehr Sauerstoff, desto schneller oxidiert der Gin.

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